Axel Fischer, INGEDE, International Association of the Deinking Industry, München, D
Die INGEDE ist eine internationale Forschungsgemeinschaft mit Vertretern von 37 Papierfabriken, die sich ganz dem Thema Deinking verschrieben hat. zeitungstechnik sprach mit Axel Fischer, Dipl.-Chemiker und bei INGEDE für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit zuständig, über die Möglichkeiten und Grenzen, im Flexodruck bedruckte Zeitungen zu deinken und dem Recycling-Kreislauf wieder zuzuführen sowie die neuesten Entwicklungen in diesem Bereich.
zeitungstechnik: Der Nassoffsetdruck ist das vorherrschende Druckverfahren in der Zeitungsproduktion. Wie funktioniert – vereinfacht dargestellt – das Deinking von im Offset bedruckten Zeitungen zum Zwecke der Altpapiergewinnung?
Axel Fischer: Die sortierten Zeitungen und Zeitschriften werden in der ersten Stufe der Altpapieraufbereitung mit reichlich Wasser zerfasert. Natronlauge, Wasserglas, Peroxid und Seife unterstützen das Auflösen des Altpapiers und bewirken zusammen mit der mechanischen Beanspruchung, dass sich die Druckfarbe von den Fasern löst. Verschiedene Aggregate entfernen anschließend Verunreinigungen aus der Papierverarbeitung wie Klebstoffe oder Metallklammern und Verschmutzungen durch Fremdstoffe wie Sand. Für die Druckfarbenentfernung, das Deinking, gibt es zwei Verfahren, die Flotation und die Wäsche. In Mitteleuropa hat sich bei der Herstellung grafischer Papiere wegen der deutlich höheren Ausbeute die Flotation durchgesetzt, auch in Nordamerika gewinnt sie inzwischen an Bedeutung.
Bei der Flotation nutzt man den Gegensatz zwischen wasseranziehender (hydrophiler) Papierfaser und wasserabstoßender (hydrophober) Druckfarbe. In den Flotationszellen eingeblasene Luftbläschen bilden mit der Seife einen Schaum. Die aufsteigenden Blasen transportieren die hydrophoben Druckfarbenpartikel an die Wasseroberfläche. Damit diese Trennung funktioniert, müssen die Druckfarbenpartikel außerdem innerhalb eines begrenzten Größenbereichs liegen.
zt: Neben dem konventionellen Offsetdruck kommt (z. B. in Italien und Großbritannien) auch der Flexodruck in der Zeitungsproduktion zum Einsatz. Warum ist das für Offsetdruckfarben eingesetzte Deinking-Verfahren bei Flexofarben nicht wirksam bzw. bringt nicht zufrieden stellende Ergebnisse?
A. Fischer: Die derzeit verwendeten Flexofarben unter den leicht alkalischen Bedingungen wasserlöslich – das Bindemittel zerfällt und gibt Druckfarbenpartikel frei, die nicht abgetrennt werden können. Sie sind zu klein für die Flotation und außerdem hydrophil. Das bedeutet, dass die Druckfarbe zusammen mit den Fasern durch den Prozess wandert, das Wasser wird grau, das fertige Papier ebenfalls. Schon geringe Mengen an Flexozeitungen in der Mischung reichen aus, um das Deinkingergebnis und damit den Weißgrad des fertigen Papiers drastisch zu verschlechtern.
zt: Welche alternativen Verfahren oder sonstigen Möglichkeiten (Zusatz von Chemikalien?) bieten sich für das Deinking von Flexodruckfarben an? Wie weit sind, Ihrem Kenntnisstand nach, die Entwicklungen im Bereich des Deinkings von Flexofarben gediehen?
A. Fischer: Eine Adaption des Deinking-Prozesses für Flexofarben wäre nur bei reinen Flexozeitungen sinnvoll, die Realität ist aber eine Mischung mit Offsetzeitungen. Es sind keine Zusätze bekannt, mit denen sich die Flotation der gegenwärtig verwendeten Flexodruckfarben in der Mischung bewältigen ließe. Auch würde jede Veränderung des Prozesses die Ausbeute beim Deinken der Offsetzeitungen verschlechtern. Selbst für sortenreine Flexozeitungen ist derzeit kein Verfahren mit wirtschaftlich vergleichbarer Ausbeute denkbar.
zt: Wie beurteilen Sie die Aussichten, wasserbasierte Flexodruckfarben mit Eigenschaften auszustatten, die ein Deinking begünstigen?
A. Fischer: Es gab und gibt besser deinkbare Flexodruckfarben, diese werden von den Druckern in England und Italien bisher nicht eingesetzt. Jede dieser Farben ist ein Schritt in die richtige Richtung, denn schlechter als mit den bisher verwendeten kann das Deinking gar nicht werden.
Die ersten solchen Farben wurden schon vor 15 Jahren entwickelt, sie waren den Druckern jedoch zu teuer. Für den Verpackungsdruck gibt es längst alkalistabile Farbsysteme – klassisches Beispiel ist die Waschmitteltrommel, die feucht werden kann, ohne dass sich die Farbe ablöst. Seit zwei Jahren gibt es auch für den Zeitungsdruck besser deinkbare Flexodruckfarben. Beispielsweise wurden bei einer BASF-Tochter, jetzt Flint Group, Acrylatdispersionen erfolgreich getestet. Auch in England wurden besser deinkbare Farben schon erfolgreich getestet – diese warten nur darauf, kontinuierlich eingesetzt zu werden. Selbst längere Praxistests werden von den Druckern viel zu zögerlich umgesetzt, das zieht die Entwicklung unnötig in die Länge.
zt: Welche Hindernisse sind noch zu überwinden und wie könnte das gelingen?
A. Fischer: Die größten Hindernisse sind in den Köpfen – die Drucker müssten erst einmal wollen, und ihre Verleger müssten darauf drängen, dass die verfügbaren Ansätze auch genutzt und dann kontinuierlich verbessert werden. Die Druckmaschinenhersteller haben vielfach Farbsysteme schon für diese neuen Farben vorbereitet oder schon in die Druckmaschinen eingebaut (beispielsweise KBA bei HQP in England). Wenn die Druckmaschinenhersteller eine weitere Verbreitung der Flexosysteme im Zeitungsdruck erreichen wollen, dann sollten auch sie mit darauf drängen, dass die neuen Druckfarben nicht nur für gelegentliche Versuche, sondern kontinuierlich eingesetzt werden.
Page first published: 16.11.2006