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RFID: Interview mit Dr. Klaus Weingarten, IAL Automation und Logistik GmbH


zeitungstechnik: IAL arbeitet im RFID-Bereich. Welche Vorteile kann die RFID-Technik Ihrer Ansicht nach für Branchen wie die Zeitungs­industrie bringen? Welche Probleme kann RFID im Zeitungsbereich lösen helfen?

Klaus Weingarten: Die Hauptvorteile von RFID ergeben sich aus der Möglichkeit, RFID-Tags innerhalb der Rollenhülse anzubringen. Wir sprechen in diesem Zusammenhang von „intelligenten Hülsen“, weil so die Hülse bzw. die Papierrolle über den gesamten Lebenszyklus hinweg identifiziert werden kann. Spezifische Infor­ma­tionen über die Hülse können im RFID-Tag gespeichert werden, um sicher­zu­stellen, dass die entsprechende Hülse auch für die Weiter­ver­arbei­tung der Rolle geeignet ist. Diese Angaben sind insbesondere relevant bei der schnellen Abwicklung von (großen) Rollen beispielsweise in neuen Druckmaschinen (Einhaltung von Geschwin­digkeits­begren­zungen).

Die Vorteile „intelligenter Papier­rollen“:
> RFID-Tags können nicht verloren gehen oder kaputtgehen. Das ge­währ­leistet eine eindeutige Identifizierung der Papierrolle über ihren gesamten Lebenszyklus hinweg. Mit RFID ist es somit möglich, Probleme mit nicht-identi­fizier­baren Rollen (wie dies aus der Bar­code-Identi­fizierung bekannt ist) zu vermeiden.
> Das Rollen-Tag kann Angaben liefern über:
   - das Papier (Rollennummer, Pro­duk­tionsdatum etc.)
   - die Hülse (Hersteller, Qualität)
> Die Informationen auf dem Rollen-Tag können genutzt werden zur:
   - Prozess­opti­mierung (RFID-Inte­gra­tion in Druckmaschinen)
   - Schadens­ver­rin­gerung (RFID-Inte­gra­tion in Klammer­stapler)

zt: Haben Sie ein spezielles Produkt für die Verfolgung von Materialien, wie sie in der Zeitungs­pro­duk­tion zum Einsatz kommen, wie Papier­rollen, Druckfarben oder Druck­platten?

K. Weingarten: Unsere Arbeit basiert auf der passi­ven UHF-RFID-Technik. Die verwen­deten Kom­ponen­ten erfüllen die weltweit gültigen (EPC-)Stan­dards. Wir streben nicht nach komplett neuen Lösungen mit pro­prie­tären Komponenten, son­dern arbeiten zusam­men mit unseren Partnern an der Ver­besserung von Stan­dard-Hard-/Software­kom­po­nenten, um RFID für die speziellen Anforderungen der Papier­industrie zu opti­mieren.

zt: Gibt es bereits Druckereien, die diese Technik einsetzen? Und wenn, können Sie uns Zahlen oder Einschätzungen nennen, wie sich RFID hinsichtlich Einsparungen und höherer Effizienz bemerkbar macht?

K. Weingarten: Bisher sind uns keine Druckereien (in Europa) bekannt, die passive UHF-RFID-Technik zur Rollen­ver­folgung nutzen. Im nächsten Monat beginnt unser nächstes Pilotprojekt in der Papier­industrie (um die letzten Probleme auf dem Weg zu einer geeig­neten Lösung zu beseitigen), sodass es bald an der Zeit sein wird, das erste RFID-Tracking­system (auf der Basis passiver UHF-RFID-Technik) in der Papier­industrie zu reali­sieren.

zt: Warum sind RFID-Tags in der Zeitungsbranche noch nicht weit verbreitet, während sie in anderen Bereichen (wie großen Super­markt­ketten oder Bibliotheken) bereits sehr erfolgreich für die Produkt­ver­fol­gung eingesetzt werden?

K. Weingarten: Wir sind im Bereich der passiven UHF-RFID-Technik tätig. Der Hauptgrund, warum diese Technik in der Papier­industrie noch nicht weit verbreitet ist, liegt meiner Ansicht nach in einem (rein) tech­nischen Problem. Bis vor einem Jahr, als der neue UHF-Standard (GEN2) eingeführt wurde, war diese Technik aufgrund der geringen Signal­reich­weite für die Anforderungen der Papierindustrie (insbe­son­dere die auto­matische Rollen­identi­fizierung) nicht geeignet. Mit dem neuen GEN2-Standard wird passives UHF RFID die Technik der Zukunft für die Papierindustrie sein. Die Vorteile dieser Technologie, gegenüber Bar­code-Sys­temen, werden zu einer allgemeinen Verbreitung bei­tragen.

IAL ist eines der Unter­neh­men, die (in den vergan­genen 3 Jahren) viel Zeit und Geld in die Ent­wick­lung einer Lösung für die Papier­industrie inves­tiert haben. Die meisten Probleme konnten gelöst werden, sodass wir einer geeig­neten Lösung schon sehr nahe sind.

zt: Wie kann RFID dazu beitragen, eine stärkere Indus­tria­li­sierung der Zeitungsbranche zu er­reichen?

K. Weingarten: RFID bietet die Möglichkeit der „auto­ma­tischen, kontakt­losen Papier­rollen-Identi­fizierung“. Dies wird zu einer stärkeren Industria­li­sierung der Zeitungs­indus­trie durch ver­besserte Prozess­auto­ma­tisierung beitragen:
> Trans­port­opti­mierung (Förder­systeme/Klammer­stapler)
> optimiertes Supply Chain Management (Online-Rollen­ver­fol­gung)
> Prozess­opti­mierung (RFID-Inte­gra­tion in Druck­maschi­nen)
> Schadens­ver­ringerung (RFID-Inte­gra­tion in Klammer­stapler)

Das Interview führte Mari Pascual, Deputy Editor des mehrsprachigen Ifra-Magazins „zeitungs­technik“.

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