Business Report 2007: Interview mit Tobias Trevisan
Tobias Trevisan
Geschäftsführer der F.A.Z.
Tobias Trevisan ist Geschäftsführer der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.
Bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (F.A.Z.), einer der großen Qualitätszeitungen in Deutschland, war das Jahr 2007 ein Jahr der Veränderungen. Intern gab es Umstellungen in der Organisationsstruktur, nach außen deutlich sichtbar ist das neue Layout, in dem die Zeitung seit dem 5. Oktober 2007 erscheint. Unter der Oberfläche gehen die Veränderungen mit Konsequenz weiter, wie Geschäftsführer Tobias Trevisan (48) gegenüber Zeitungstechnik erläuterte. 2008 wird das Verlagshaus eine ganze Reihe neuer Projekte im Rahmen seiner Markenstrategie vorstellen.
zt: Was hat das Jahr 2007 den Zeitungen allgemein und konkret Ihrem Haus gebracht?
Tobias Trevisan: Bei der F.A.Z. sehen wir eine stabile Entwicklung. Wir konnten unsere Umsätze steigern. Es ist aber deutlich zu erkennen, dass die Zeitungen am allgemeinen Aufschwung wenig teilnehmen. Das Tageszeitungsgeschäft befindet sich in einer strukturell rückläufigen Phase. Junge Leute lesen tendenziell weniger Zeitung, was durch das Internet noch beschleunigt wird. Es wird immer schwieriger, die Auflage zu stabilisieren. Das Internet gewinnt aber auch im Werbemarkt an Bedeutung, primär die Online-
zt: Was unternehmen Sie ganz konkret bei der F.A.Z., um diesen Entwicklungen zu begegnen?
T. Trevisan: Wir verfolgen eine Markenstrategie, bei welcher wir unsere Produkte und unsere Marke weiter stärken wollen. Einerseits versuchen wir mit unseren Zeitungen Marktanteile zu gewinnen. Andererseits gehen wir Potentiale an, die wir vor allem im Sonntagsmarkt sehen. Zudem bauen wir Online als Geschäftsfeld auf, wobei wir auf Produkte unter der Marke F.A.Z. konzentrieren. Andere Häuser verfolgen eine ganz andere Online-
zt: Sie haben 2007 mit der erst Mitte 2006 gestarteten Online-
T. Trevisan: Wir versuchen online ganz generell eine Verknüpfung herzustellen zwischen einem horizontalen Nachrichtenportal, das die Reichweite liefert, und vertikalen Themenportalen, die eine höhere Wertschöpfung erzielen können. FazJob.net ist das erste vertikale Themenportal, das wir leider erst sehr spät in den Markt gebracht haben. Trotzdem konnten wir bereits nach einer relativ kurzer Zeit eine gute Position im Bereich der Führungskräfte aber auch bei den Fachkräften erlangen. Die Entwicklung ist hier sehr positiv und die Wertschöpfung pro User liegt deutlich über dem Vergleichswert der Nachrichtenportale. Wir arbeiten zurzeit an weiteren vertikalen Themenportalen ebenfalls unter der Marke F.A.Z.
zt: Welche Entwicklungen gibt es im Printbereich?
T. Trevisan: Bei der gedruckten Zeitung bemühen wir uns, unsere Zielgruppe, die man als das Bildungsbürgertum bezeichnen kann, noch konsequenter auszuschöpfen. Wir sehen ein Potenzial bei jüngeren Menschen und bei Frauen. Die Zielgruppe hat sich in den letzten Jahren verändert. Universitätsabgänger sind heute zu einem viel größeren Teil weiblich, als dies vor 20 Jahren noch der Fall war. Die Zeitung muss für diese Zielgruppe noch attraktiver werden. Wir haben deshalb am Wochenende „Bilder und Zeiten“ eingeführt sowie „Beruf & Chance“. Die Gestaltung der F.A.Z. hat sich insgesamt verändert. Der Prozess ist damit aber nicht abgeschlossen. Im Weiteren haben wir unsere Vermarktungsorganisation im Vertrieb neu ausgerichtet und die Effizienz im Einsatz unserer Marketingmittel gesteigert. Unsere Anzeigenvermarktungsorganisation haben wir ausgebaut und verstärkt auf die Bedürfnisse der Kunden ausgerichtet, indem wir eine Branchenorganisation eingeführt haben, die die Märkte unserer Kunden kennt. Bei der Sonntagszeitung wurden die Zustellgebiete deutlich ausgeweitet. Sie profitiert gleichfalls von den Umstellungen in der Vertriebs-
zt: Die nach außen am stärksten sichtbare Veränderung in Ihrem Haus war der Relaunch der F.A. Z. Anfang Oktober, der so gravierende Änderungen wie ein Farbbild auf der ersten Seite und den Abschied von der Frakturschrift mit sich brachte. Gibt es dazu schon erste Erkenntnisse?
T. Trevisan: Es ist noch sehr früh – der Relaunch ist ja noch keinen Monat alt. Positives Zwischenergebnis: wir mussten nur sehr wenige Abokündigungen entgegennehmen – rund 200, was bei einer Auflage von 360.000 Exemplaren sehr wenig ist – aber wir hatten auch nicht mit einer größeren Abbestellungswelle gerechnet. Die ersten Kioskverkaufszahlen sind ermutigend: da gab es in den ersten Tagen eine deutliche Steigerung. Wir wissen aber noch nicht, ob es sich dabei nur um den Neugierdeeffekt handelt oder ob auch etwas hängen bleibt. Am wichtigsten sind für uns die Entwicklung der Haltbarkeitsquote und die Umwandlungsquote der Probeabos. Da fehlen uns aber noch erste Werte.
zt: Zeigen die Veränderungen in der Verkaufsorganisation bereits konkrete Wirkung?
T. Trevisan: Wir haben bei der F.A.Z. in 2007 bei der Wirtschaftswerbung einen leichten Zuwachs. Und wir haben bei der Sonntagszeitung einen substanzielleren, prozentual zweistelligen Zuwachs. Die Umstellung ist aber erst im April erfolgt und die Teams sind noch nicht komplett. Auswirken wird sich die Umstellung wahrscheinlich erst im 2008. Im Stellenmarkt haben wir die Vermarktungsstruktur bereits im letzten Herbst umgestellt. Da konnten wir unseren Marktanteil in unserem Marktsegment, den Fach-
zt: Was sind Ihre wichtigsten Vorhaben für 2008?
T. Trevisan: Die Weiterführung unserer Strategie. Bei den bereits umgesetzten Projekten muss eine gewisse Konsolidierung stattfinden. Es wird aber auch neue Projekte geben, vor allem im Onlinemarkt ist einiges in Vorbereitung.
Das Interview führte Ifra-
Page first published: 12.11.2007


